Wie sicher ist die europäische Einlagensicherung?

By: Diana

Laut diversen Quellen sollen für einen Betrag von 100.000 Euro nur ca. 400 Euro Deckungssumme zur Verfügung stehen. Wie kann das sein, was würde das bedeuten und wie sicher ist dann die europäische Einlagensicherung?

EDIS – Europäische Einlagensicherung

Das Wort Einlage bezeichnet das Vermögen der Sparer. Die gesetzliche Einlagensicherung dient dem Schutz der Einlagen der Bankkunden

Unter die Einlagensicherung fällt also alles Geld, was du auf deinem Girokonto und den Tagesgeldkonten hast. Bis zu einer Höhe von 100.000 Euro. 

Im Falle der Insolvenz einer Bank, soll das Geld der Bankkunden somit bis zu 100.000 Euro geschützt sein. Mit dem Versprechen der Einlagensicherung bist du als Bankkunde beruhigt und vertraust dein Geld der Bank an. Sonst würdest du wahrscheinlich schleunigst dein Geld von der Bank abheben. Mit der Einlagensicherung wird also im Umkehrschluss auch genau dies verhindert. 

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Die Einlagensicherung gaukelt uns aber eine vermeintliche Sicherheit vor. Warum ich dies so sehe, werde ich dir versuchen bestmöglich zu erläutern.

Lass uns dazu zuerst vergangene Krisen betrachten, bevor wir uns dann ansehen inwieweit die Banken die Gelder ihrer Kunden überhaupt absichern.

Vergangene Krisen als Beispiele

Finanzkrise 2008/2009

In der Finanzkrise wurden die Banken überwiegend mit Steuergeldern gerettet. Dies sorgte für Aufruhr. Um die Bevölkerungen zu beruhigen, erließen die Staaten Regelungen, um ausfallgefährdete Banken abzuwickeln. Dies sollte in Zukunft möglichst ohne den Einsatz von Steuergeldern erfolgen. 

Zunächst soll also das Vermögen der Aktionäre, Anleihe-Gläubiger und vermögenden Sparer für die Rettung einer betroffenen Bank herangezogen werden.

Finanzkrise 2013 in Zypern

Im März 2013 wurden die Banken von Zypern gerettet. Die größte Bank Zyperns Bank of Cyprus hat die zweitgrößte Bank Laiki Bank übernommen. 

Dafür wurden die Sparer um ihr Vermögen gebracht. Kunden der Laiki Bank verloren all ihre Ersparnisse jenseits des Betrages von 100.000 Euro. Die Kunden der Bank of Cyprus waren ebenfalls betroffen. Ihr Vermögen über 100.000 Euro wurde zu 60% in Bankaktien umgewandelt. Die restlichen 40% wurden eingefroren. 

Die Banken von Zypern waren gerettet, die Sparer um ihr Vermögen gebracht. 

Einlagensicherungsfonds

Du haftest also mit deinem, dir durch harte Arbeit verdientem Vermögen über 100.000 Euro für eine Bankenrettung.

Du hast weniger und machst dir deshalb keine Sorgen? Aber hast du dich schon mal gefragt, wie all jene Sparer im Notfall an ihr Erspartes kommen, die weniger als 100.000 Euro auf dem Bankkonto haben? Ist dies abgesichert, sodass wir uns auf die Einlagensicherung von 100.000 Euro je Bankkunde verlassen können?

Seit 2014 müssen Banken die Spareinlagen der Kunden bis 100.000 Euro nur zu 0,8 % durch eigene Mittel absichern. Allerdings sind bisher nur 0,4% der Einlagen unter 100.000 Euro im Sicherungsfonds hinterlegt (Quelle: ISF). Woher dann also nehmen, wenn nicht stehlen?

Beispiel: Spanischer Einlagensicherungsfonds

Christoph Heuermann zeigt in seinem Booklet Investieren für Einsteiger* anhand des spanischen Einlagensicherungsfonds auf, dass die Einlagensicherung nicht gewährleistet ist.

Der spanische Einlagensicherungsfonds betrug 2018 1.380 Milliarden Euro. Die Gesamteinlagen der spanischen Familien betrugen 883.000 Milliarden Euro. Es wird nun bestimmt etliche Bankkunden geben, die mehr als 100.000 Euro Erspartes besitzen. Schaust du dir die Zahlen jedoch genauer an, wirst du auch zu dem Schluss kommen, dass die Mehrheit der spanischen Bankkunden wahrscheinlich weniger besitzen. Die Höhe von 1.380 Milliarden Euro des spanischen Einlagensicherungsfonds wird vermutlich nicht ausreichen.

Sicherungsfonds für Spareinlagen bei deutschen Privatbanken

Das Institut Deutsch-Schweizer Finanzdienstleistungen (ISF) stellt im Artikel vom Dezember 2019 über das SAG klar, dass „nur ein Bruchteil der Beträge für alle Banken zusammen überhaupt zur Verfügung steht – das sind derzeit rund 0,4%„.

Weiterhin führt das ISF aus: „Das bedeutet: Für einen Betrag von EUR 100.000,- stehen ca. EUR 400,- als Deckung zur Verfügung. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass für die betroffenen Banken sämtliche Beträge auf einmal benötigt werden, ist dies vielleicht ein nicht ganz fairer Vergleich.

Es zeigt aber, wie endlich die Rettung der betroffenen Sparer ist. Für die Rettung einer einzigen Großbank wären in diesem Fall höchstens ca. 10% bis 20% der benötigten Mittel vorhanden.

Und warum sprechen sich die EU-Finanzminister dafür aus, dass sich bei der nächsten Bankenrettung alle Gläubiger beteiligen? 

SAG Gesetz

Damit sich in Zukunft bei einer Bankenrettung alle Gläubiger beteiligen müssen, wurde 2015 eine EU-Richtlinie erlassen, die dies ermöglicht. Mehr dazu im Artikel über das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz.

Geldautomat: Out of service

Europäische Einlagensicherung (EDIS)

Die Europäische Einlagensicherung (EDIS: European Deposit Insurance Scheme) soll die nationalen Einlagensicherungssysteme ablösen.

Nun soll ein Einlagensicherungssystem ja im Falle einer Banken-Insolvenz die Einlagen der Sparer schützen und einen Banken-Run (wenn die Kunden Sturm laufen, um ihre Gelder abzuheben) verhindern. Die EZB will ein System einrichten, dass das Geld der Sparer EU-weit schützt.

Es ist ausreichend bekannt, dass etliche südeuropäische Banken finanziell ins Wanken kommen. Dank EDIS würden die Einlagen stabilerer europäischer Länder herhalten müssen, um die Einlagen der Länder Südeuropas abzusichern.

Im Klartext: Deutsche Banken und das Vermögen der deutschen Sparer haften somit auch für marode Banken in der Eurozone.

Du solltest auch wissen welche Parteien EDIS im Europaparlament unterstützt haben: CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP.

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